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Die Technologie ist nicht mehr der Engpass: Erkenntnisse von der BIC Konferenz

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Am 17. Juli waren wir bei der Bodensee Innovation Cluster (BIC) Konferenz zu Gast. Hier sind unsere wichtigsten Learnings.

©Jim Papke

Bei der BIC Konferenz wurde eine ganze Bandbreite an Themen diskutiert. Eine Idee tauchte dabei immer wieder auf – ganz gleich, ob es um Roboter, Krankenhäuser oder den Mittelstand ging: Der schwierigste Teil bei der Einführung einer neuen Technologie ist fast nie die Technologie selbst. Es sind die Daten, die sie speisen, die Kultur, die sie aufnimmt, und die Menschen, von denen erwartet wird, dass sie ihre Arbeitsweise ändern.

©Canva

1. In der Robotik ist die Hardware nicht mehr das Problem

Keynote-Speaker Maks Giordano eröffnete mit einer Standortbestimmung zu KI und Robotik – und trennte dabei bewusst den Hype von der Realität: Humanoide Roboter werden leise, aber stetig zum Alltagsphänomen.

 

Und während die Mechanik bereits beeindruckend ist, werden nun die Trainingsdaten zum neuen Engpass. 

Giordanos Beispiel bringt es auf den Punkt: Ein New Yorker Startup bietet an, Wohnungen kostenlos zu putzen – vorausgesetzt, die Putzkräfte tragen Motion-Capture-Anzüge, um Bewegungsdaten für das Training von Robotern zu sammeln. Die Grenze hat sich verschoben: vom Bau des Roboters hin zu seiner Schulung.

2. KI ist ein Kulturproblem im IT-Kostüm

Der größte Fehler, den Unternehmen machen: KI als IT- oder CDO-Thema zu behandeln statt als Change- und Kulturthema.

 

Copilot-artige Assistenten werden unternehmensweit ausgerollt – und dann nutzen sie nur ein Bruchteil der Mitarbeitenden tatsächlich, oft weil ihnen niemand gesagt hat, was sie damit überhaupt dürfen. Die Lösung ist nicht mehr Technologie, sondern klare Leitlinien und menschliche Erlaubnis.

 

Die Lehre für den Mittelstand: Der ROI auf Kultur schlägt den ROI auf jedes einzelne Tool.

©Canva / Rosa Husemann

3. Der Reality-Check ist da – und das ist auch gut so

Technologie wird oft kurzfristig überschätzt und langfristig unterschätzt.

 

KI befindet sich aktuell in ihrer Overhype-Phase – und der "Reality-Check" setzt gerade ein. Unternehmen stellen fest, dass nicht jeder Prozess einen KI-Agenten braucht und dass, in Maks Giordanos Worten, der Mensch seine Sache immer noch ziemlich gut macht.

 

Und trotzdem: KI verschiebt die Marktrealitäten weiterhin rasant, mit im Minutentakt neu aufkommenden Trends (von GEO über zunehmend ausgereifte Agentic Workflows bis hin zu automatisierten Käufern, die Kaufentscheidungen treffen). Und alles basiert auf einer wenig glamourösen Grundvoraussetzung: saubere Daten und klares API-Denken. Oder, weniger höflich: Mist rein, Mist raus – ganz gleich, wie gut das Modell ist.

©Canva

4. Deutschland ist auf dem Papier vernetzt, in der Praxis aber nicht

In ihrem Vortrag darüber, was COVID-19 über die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen offenbart hat, beschrieb Serdil Dogan die Pandemie als Röntgenbild des digitalen Reifegrads des Systems – und die Diagnose fiel schonungslos aus: unvernetzt, unvorbereitet, überlastet.

 

Erregernachweise wanderten per Fax und Papierformular zwischen Laboren und Gesundheitsämtern hin und her. Die Koordination freier Intensivbetten lief telefonisch, ohne zentrales Register. Gesundheitsämter arbeiteten mit inkompatibler Software – und Warnungen vor genau dieser Inkompatibilität lagen bereits seit 2018 vor.

 

Dogans zentrale Unterscheidung trägt weit über das Gesundheitswesen hinaus: Deutschland ist technisch angebunden, aber nicht wirklich interoperabel. Die Infrastruktur ist da; der Fluss fehlt. Ihr Fazit spiegelte den ganzen Tag wider: Technologie allein reicht nicht.
Führung und Change-Management entscheiden darüber, ob digitale Werkzeuge tatsächlich angenommen oder stillschweigend ignoriert werden.

5. Die Stärke des Mittelstands ist real – wenn er bereit ist, ein Projekt zu stoppen

Im abschließenden Panel wandte sich unsere Simone Friese (GACC West) gemeinsam mit Rafael Baur (Wenglor) und Tomislav Lang einem Thema zu, das viele Teilnehmer beschäftigte: Deutschland versus Silicon Valley.

 

Dabei bleiben für Deutschland das duale Ausbildungssystem, wandlungsfähige Fachkräfte und ein starkes Engineering-Mindset echte Vorteile. Gleichzeitig hat ein Startup oft nur einen Versuch, ein Mittelständler mit 100–150 im Tagesgeschäft gebundenen Ingenieuren kann nicht einfach zehn Leute für ein neues Thema abstellen. Das erfordert Mut für Veränderung – am besten illustriert von Rafael Baur, der nach seiner Rückkehr aus dem Silicon Valley ein internes Projektteam bewusst mitten im Prozess stoppte und dabei ein kontrolliertes Scheitern als Teil des Prozesses behandelte, statt es zu bestrafen.

 

Diese Bereitschaft, Dinge zu stoppen, so das Panel, könnte wichtiger sein als jede Bereitschaft, sie zu beginnen.

©Jim Papke

6. Was wir mitnehmen

Wenn die BIC-Konferenz einen roten Faden hatte, dann einen beruhigenden für die Unternehmen, mit denen wir arbeiten: Die Gewinner der nächsten Phase werden nicht zwangsläufig die mit den fortschrittlichsten Modellen sein. Es werden die sein, die die menschliche Seite richtig hinbekommen – saubere Daten, klare Leitlinien, eine Kultur, die Einführung sicher macht, und den Mut, zu stoppen, was nicht funktioniert.

 

Genau diesen Muskel sollen unsere InnovationCamp-Programme stärken. Wenn Sie wissen möchten, wie genau wir deutschen Unternehmen helfen, Silicon-Valley-Erfahrung in praktische Veränderung zu Hause zu übersetzen – get in touch!

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