E-Mobility an der Westküste

 

Mit einem täglichen Konsum von 20 Mio. Barrels Benzin ist der Transportsektor unter den Top 3 bezüglich des Primärenergieverbrauchs in den USA. Besonders in Kalifornien, einem der größten Automobilmärkte in den USA, ist der Benzinverbrauch nach wie vor sehr hoch: so wurden 2010 über 68 Milliarden Liter Benzin und Dieselkraftstoff im Golden State konsumiert und 200 Mio. Tonnen an Treibhausgasen - 36% der nationalen Emissionen - ausgestoßen. Trotz des hohen Emissionslevels zählt Kalifornien traditionell zu den fortschrittlichsten Staaten, wenn es um die Reduzierung von CO2 Emissionen geht. In Zuge steigender Benzinpreise und gedämpfter Konjunkturaussichten wurde das Ziel der Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und der Reduktion des CO₂ Ausstoßes in den letzten Jahren noch aggressiver verfolgt. So verabschiedete die kalifornische Regierung den Global Warming Solutions Act von 2006 (AB32) im Rahmen dessen die Treibhausgasemissionen bis ins Jahr 2020 auf das Emissionsniveau von 1990 gesenkt werden müssen.

Aufgrund der günstigen Rahmenbedingungen erfreuen sich E-Mobilitätstechnologien und -produkte in Kalifornien besonders großer Beliebtheit. Die Verkäufe von elektrischen Fahrzeugen stiegen seit 2010 rasant an und die Obama Administration hat sich zum Ziel gesetzt bis 2015 einen jährlichen Umsatz von 1 Mio. elektrischer Fahrzeuge zu erreichen. Demnach fangen auch die großen Automobilhersteller langsam an, elektrische Autos stärker in ihr Portfolio aufzunehmen. Im Zeitraum Januar bis August 2012 entfielen auf Kalifornien 32% der US-weiten Verkäufe von Elektrofahrzeugen (inklusive Plug-in Hybrids (PHEV)).

 

Die wichtigsten Fakten über elektrische Fahrzeuge in den USA:

 

  • In der ersten Hälfte von 2012 blieb der Absatz von elektrischen und hybriden Automobilen in den USA stark. Demnach stieg der Absatz des Chevy Volt von General Motors um 264%. Die Verkäufe des Nissan Leafs konnten um 617% gesteigert werden.
  • Der Umsatz von Elektrofahrzeugen in den USA wird Prognosen zufolge weiter ansteigen und die USA zum führenden Markt für Elektroautos machen. Die durchschnittliche Wachstumsrate zwischen 2012 und 2020 wird auf 30% geschätzt.
  • US-weite Förderprogramme bieten Anreize beim Kauf von Elektrofahrzeugen durch Steuergutschriften je nach Art und Größe des Fahrzeuges von bis zu 7,000 US-Dollar an.
  • Ein weiterer Markttreiber sind die Verbrauchsobergrenzen Corporate Average Fuel Economy (CAFE), welche Automobilherstellern vorschreiben, die durchschnittliche Kraftstoffeffizienz ihrer Flotten an Light Vehicles bis 2025 zu erhöhen.
  • Vor allem in Kalifornien gibt es dank der hohen Anzahl an potenziellen Käufern und den hohen Benzinpreisen einen Aufschwung der Technologie. Die Großräume von Los Angeles sowie San Francisco sind hier die bedeutendsten Absatzmärkte und repräsentierten im Jahr 2012 rund 25% der landesweiten Verkäufe.
  • Kalifornien bietet mit die höchsten finanziellen Anreize in Form von Steuergutschriften, welche mit einer Gutschrift auf nationaler Ebene kombiniert werden können.
  • In der ersten Jahreshälfte 2011 zog Kalifornien Risikokapitalinvestitionen in Höhe von 467 Mio. US-Dollar im Bereich E-Mobilität an. Dies bedeutet ein Wachstum von 712% seit dem Jahr 2006.
  • Im Zuge dessen stellt die California Energy Commission bis 2014 jährlich 100 Millionen US-Dollar zur Verfügung um saubere, effiziente und kohlenstoffarme Brennstoffe zu fördern, die Entwicklung von Elektroautos und effizienteren Batterien voranzutreiben und Investitionsmittel für den Aufbau der benötigten Infrastruktur wie neue Ladestationen bereitzustellen.
  • Kalifornien ist zudem der einzige Staat, der eine Behörde zur Regulierung von CO₂ Emissionen und Luftverschmutzung durch Kraftfahrzeuge ins Leben gerufen hat. Das California Clean Air Board (CARB) schreibt in diesem Zuge vor, wie hoch das Niveau an Elektrofahrzeugen in den einzelnen Kommunen sein muss, damit die Emissionsgrenzen eingehalten werden können. Die Richtlinien des CARB wurden inzwischen von vielen anderen Staaten innerhalb der USA übernommen. Anfang 2013 wurden die Regelungen für den Anteil von Zero Emission Vehicles (ZEV) an den abgesetzten Automobilen durch CARB verschärft. Zwischen den Modelljahren 2018 und 2025 müssen Automobilhersteller ihren Anteil an emissionsfreien Light Vehicles oder alternativ einen Mix mit Plug-in Hybrids am Gesamtabsatz von 4.5% auf 22% erhöhen.
  • Andere US-weite Anreize finden auf kleiner Ebene statt, beispielsweise in Form von extra geschaffenen Parkmöglichkeiten oder auf großer Ebene in Form von einer vorgeschriebenen Mindestanzahl an Ladestationen in neueren Gebäuden.
  • All diese Anreize lassen vermuten, dass der E-Mobility Markt in den kommenden Jahren weiter wachsen wird, vor allem Kaliforniens Silicon Valley dürfte dabei als geeigneter Standort fungieren, wo sich bereits erste Cluster von Smart Grid und Energy Storage Unternehmen gebildet haben. Viele renommierte Automobilhersteller wie BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen, Tesla, Aptera Motors, Fisker Automotive, Coda Automotive and Myer Motors haben allesamt Niederlassungen und/oder Forschungseinrichtungen im Silicon Valley.

Quellen: Vgl. Roland Berger Strategy Consultants (2010): PEV Readiness Study; GTAI (30. April 2013): Kalifornien schafft Voraussetzungen für Marktdurchbruch von Elektromobilen